Ein Instrument entsteht



Folge 7: Die Umleimerei

 
 
 
 

Der Klang-Körper

Wenn es Zeit wird, dem Instrument sein Aussehen zu geben, beginnt dieser Prozess in der Umleimerei. Dort erhält man erstmals einen Eindruck davon, wie ein Klavier oder Flügel später einmal aussehen wird. Das Gehäuse wird um Rasten und Gussplatte gebaut. Gut ein Dutzend Einzelteile werden dabei zusammengefügt – und zum Teil mit Leim fest verbunden, wie der Name dieses Produktionsbereichs schon sagt. Feste Verbindungen sind wichtig, weil schon Veränderungen im Millimeterbereich die Spielbarkeit des Instruments beeinträchtigen würden. Fest verbunden, trägt das Gehäuse zudem seinen Teil zum Klangvolumen des Klaviers oder Flügels bei. Trotzdem lässt sich das Instrument ohne großen Aufwand zerlegen, um beispielsweise den Transport durch schmale Treppenhäuser zu erleichtern.

In der Umleimerei wird meist Kaltleim genutzt. Für bestimmte Kanten rühren die Kollegen auch Warmleim an. Überliefertes Fachwissen macht‘s möglich; AUGUST FÖRSTER hält hier an traditionellen Techniken des Klavierbaus fest. Wenn Seitenteile, Tastenklappe, Spieltisch und vieles mehr zusammengefügt werden, ist Genauigkeit gefragt. Jedes Spaltmaß muss stimmen. Die Abstände müssen groß genug sein, damit Platz fürs spätere Lackieren bleibt, aber klein genug, um ein hochwertiges Erscheinungsbild zu erreichen. Gearbeitet wird an mehreren Instrumenten parallel, denn der Leim braucht Zeit zum Aushärten. Zum Schluss werden die Rollen befestigt – wenn auch nicht mit Leim. Das Instrument ist nun etwas beweglicher, die Rollen bleiben allerdings Zierde. Echtes Transportieren ist damit nicht möglich.

Die Tätigkeiten in der Umleimerei sind klassische Tischlerarbeiten. Bei AUGUST FÖRSTER arbeiten neben Klavierbauern vor allem gelernte Tischler, die ihr Können in den Bau unserer hochwertigen Instrumente einbringen. Wir bilden in diesem Handwerksberuf auch aus: Im Sommer beginnt wieder ein Lehrling bei uns.
 

Folge 8: Die Wändebiegerei

 
 
 
 

Den Bogen raus

Harte Schale, weicher Kern: Bei der Gehäusewand eines Flügels ist es genau andersherum. In ihr befindet sich ein Kern aus Massivholz, der ausreichend dünn zum Biegen, aber fest genug ist, um der Wand die nötige Stabilität zu verleihen. Die Wand eines Flügels passt sich der Form von Gussplatte und Rasten an und wird bei AUGUST FÖRSTER in einer eigenen Abteilung gefertigt. Das Holz des Kerns wird in bestimmten Abständen eingeschnitten, um das Biegen zu ermöglichen. So schlagen wir der Natur ein Schnippchen. Auf beide Seiten kommen zudem mehrere Lagen Furnier, um die nötige Stärke zu erreichen. Vor allem die Länge beeindruckt: Sind es beim kleinsten unserer Flügel schon 4,80 Meter, wächst die Wand beim großen 275er Konzertflügel auf 6,60 Meter an. Das bedeutet, dass die Furniere nicht nur übereinander, sondern auch aneinander geklebt werden müssen, um auf diese Maße zu kommen. Das geschieht mit der alten Handwerkstechnik des Schäftens.

Außen wird die Flügelwand in den meisten Fällen schwarz lackiert und auf Hochglanz poliert. Die meisten Kunden bestellen schwarze Flügel. Manche Kunden interessieren sich für weiße Instrumente, zudem stellen wir natürlich auch Flügel in den Oberflächen Mahagoni, Nussbaum und anderen Hölzern her. Bei den Konzertflügeln ist die Innenwand mit Furnier aus Vogelaugenahorn gestaltet. Das verleiht den Instrumenten ein besonders edles Aussehen und unterstützt das Leuchten der goldfarben lackierten Gussplatte.

Die Technik des Wändebiegens ähnelt dem Herstellen der Rastenzarge . Die einzelnen Schichten werden verleimt, aufeinander gebracht und rund um eine Form in Position gebracht. Dann heißt es wieder: Geduld aufbringen. 48 Stunden muss die Wand unter Druck trocknen. Danach vergehen vier Wochen, bevor sie weiterverarbeitet wird. Der Leim braucht diese Zeit, um vollständig zu trocknen. Wir wollen damit sicherstellen, dass die Wand formstabil bleibt. Die Mitarbeiter von AUGUST FÖRSTER wissen um diese natürlichen Prozesse. Sie geben den Elementen die nötige Zeit, um ein hochwertiges Instrument herzustellen zu können.
 

Folge 9: Die Lackiererei

 
 
 
 

Das kleine Schwarze

Ungestraft dick auftragen – das ist in der Lackiererei von AUGUST FÖRSTER möglich. Und doch nützt es nicht allzu viel: Ein Gutteil des Lacks muss später wieder herunter, damit eine perfekte Oberfläche entsteht. Aber der Reihe nach. Der sogenannte Klavierlack ist inzwischen längst nicht mehr nur auf Pianos anzutreffen. Er wird für Tablets, Notebooks oder zum Veredeln von Autoinnenräumen verwendet. Sein Geheimnis liegt unter anderem in der Zahl der Schichten. In der Herstellung einer Piano-Oberfläche werden fünf bis neun Farbschichten auf das Holz aufgetragen, bis der Lack eine Stärke von rund einem Millimeter erreicht. Dann muss die Farbe ausgiebig trocknen. Derweil kommt auch Klarlack zum Einsatz: Auf den Resonanzböden, an den Innenwänden der Flügel und auf satinierten Oberflächen.

Nach dem Trocknen heißt es schleifen, schleifen, schleifen. Rund 0,4 Millimeter des frischen Lacks werden wieder abgetragen. Über etliche Schleifvorgänge kommt immer feineres Sandpapier zum Einsatz. Landläufig spricht man am Schluss vom Polieren einer Oberfläche. Aber auch dies ist ein Schleifen, eben mit absolut minimaler Körnung. Erst diese vielen Arbeitsgänge ergeben das tiefe, spiegelnde Schwarz, für das der Klavierlack bekannt ist. Ohne diese aufwändige Behandlung würde die Farbe einen Grauschleier behalten, der jede Eleganz zunichtemachte. Allein an einem Flügeldeckel schleifen unsere Kollegen je nach Größe bis zu zwei Tagen, bis der erwünschte Glanz erreicht ist. Das Aufbringen aller Lackschichten auf einen Deckel braucht mit Trocknungszeiten rund vier Stunden.

Und schwarz ist nun einmal die am häufigsten anzutreffende Farbe bei Klavieren und Flügeln. Andere Oberflächen bestellen Kunden vorrangig bei Klavieren, und auch von diesen Instrumenten werden rund zwei Drittel in klassischem Schwarz gefertigt. Ist die Entscheidung gegen den Standard aber einmal gefallen, kann es richtig bunt werden: AUGUST FÖRSTER hat Instrumente auf Kundenwunsch schon in rubinrot, stahlblau oder bordeauxviolett gefertigt, regelmäßig in weiß und natürlich in diversen Furnierarten: Kirsche, Nussbaum, Buche, Eiche, Mahagoni… Dazu kommen die verschiedenen Ausführungen: poliert, seidenmatt, gewachst oder geölt. Dieser Aufzählung sind fast keine Grenzen gesetzt. Wer seine eigenen Vorstellungen von seinem Wunschinstrument mitbringt, bekommt sie auch erfüllt.
 

Folge 10: Die Zusammensetzerei

 
 
 
 

Spieltrieb

Neben dem Resonanzboden sind Mechanik und Klaviatur die entscheidendsten Komponenten auf dem Weg zu einem sehr guten Piano. Diese werden in der Zusammensetzerei in das inzwischen weit gediehene Instrument eingebaut. Dort kommen die bereits mit Saiten bezogene Flügel und Pianos an. Die Flügel erhalten als erstes ihre Lyra. So nennt sich der Pedalteil mit seinen Stößern und Hebeln. Ist das erledigt, folgt der aufwendigere Teil. Klaviatur und Mechanik werden in unzähligen Arbeitsschritten aufeinander abgestimmt. Beide komplexen Einrichtungen bezieht AUGUST FÖRSTER von deutschen Spezialfirmen: Die Klaviatur stellt die Firma Laukhuff her, die Mechanik kaufen wir von Renner. Beide Unternehmen beliefern die großen Instrumentenhersteller. Ihre Produkte sind Premiumerzeugnisse auf diesem Markt; wir bauen sie in alle unsere Instrumente ein, auch in die Einsteigermodelle. Bei ihnen achten wir genauso auf Qualität wie bei den teureren Modellen

Unsere Klaviaturen und Mechaniken werden für AUGUST FÖRSTER speziell nach unseren Vorgaben gefertigt. Damit sie perfekt funktionieren, sind trotzdem noch viele Handgriffe nötig, um sicherzustellen, dass ein Pianist beim Drücken einer Taste den Ton exakt so erzeugen kann, wie er das will. Da müssen Hebelverhältnisse aufeinander abgestimmt, die Position der Hammerköpfe justiert, die Dämpfung aufgesetzt werden und vieles mehr. Das geht nur mit jeder Menge Fingerspitzengefühl, ganz besonders viel Erfahrung und einem hohen Maß an akkurater, konzentrierter Arbeit. In dieser Abteilung ist echte Handarbeit gefragt, und so stehen dort kaum Maschinen. Hier herrscht Ruhe, um das exakte Justieren nicht zu stören.

Die Kollegen arbeiten an einem Klavier rund zwei Tage, für einen Flügel sind reichlich fünf Tage nötig. Ist das alles geschafft, ist die Grundlage gelegt, damit das Instrument später gut spielbar ist. Jetzt ist es zudem erstmals soweit, dass das Piano ganz regulär gespielt werden kann. Es wird mehrfach gestimmt, damit es später umso länger die Stimmung halten kann. Entsteht ein Instrument nach Kundenwunsch und gibt es individuelle Vorstellungen zur Spielbarkeit, werden diese ebenfalls in dieser Abteilung umgesetzt. Die Tätigkeiten in der Zusammensetzerei sind eine typische Klavierbauerarbeit und bei AUGUST FÖRSTER auch eine wichtige Station für unsere Auszubildenden.

"Ein Instrument entsteht..." wird fortgesetzt
 
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