Ein Instrument entsteht



Folge 7: Die Umleimerei

 
 
 
 

Der Klang-Körper

Wenn es Zeit wird, dem Instrument sein Aussehen zu geben, beginnt dieser Prozess in der Umleimerei. Dort erhält man erstmals einen Eindruck davon, wie ein Klavier oder Flügel später einmal aussehen wird. Das Gehäuse wird um Rasten und Gussplatte gebaut. Gut ein Dutzend Einzelteile werden dabei zusammengefügt – und zum Teil mit Leim fest verbunden, wie der Name dieses Produktionsbereichs schon sagt. Feste Verbindungen sind wichtig, weil schon Veränderungen im Millimeterbereich die Spielbarkeit des Instruments beeinträchtigen würden. Fest verbunden, trägt das Gehäuse zudem seinen Teil zum Klangvolumen des Klaviers oder Flügels bei. Trotzdem lässt sich das Instrument ohne großen Aufwand zerlegen, um beispielsweise den Transport durch schmale Treppenhäuser zu erleichtern.

In der Umleimerei wird meist Kaltleim genutzt. Für bestimmte Kanten rühren die Kollegen auch Warmleim an. Überliefertes Fachwissen macht‘s möglich; AUGUST FÖRSTER hält hier an traditionellen Techniken des Klavierbaus fest. Wenn Seitenteile, Tastenklappe, Spieltisch und vieles mehr zusammengefügt werden, ist Genauigkeit gefragt. Jedes Spaltmaß muss stimmen. Die Abstände müssen groß genug sein, damit Platz fürs spätere Lackieren bleibt, aber klein genug, um ein hochwertiges Erscheinungsbild zu erreichen. Gearbeitet wird an mehreren Instrumenten parallel, denn der Leim braucht Zeit zum Aushärten. Zum Schluss werden die Rollen befestigt – wenn auch nicht mit Leim. Das Instrument ist nun etwas beweglicher, die Rollen bleiben allerdings Zierde. Echtes Transportieren ist damit nicht möglich.

Die Tätigkeiten in der Umleimerei sind klassische Tischlerarbeiten. Bei AUGUST FÖRSTER arbeiten neben Klavierbauern vor allem gelernte Tischler, die ihr Können in den Bau unserer hochwertigen Instrumente einbringen. Wir bilden in diesem Handwerksberuf auch aus: Im Sommer beginnt wieder ein Lehrling bei uns.
 

Folge 8: Die Wändebiegerei

 
 
 
 

Den Bogen raus

Harte Schale, weicher Kern: Bei der Gehäusewand eines Flügels ist es genau andersherum. In ihr befindet sich ein Kern aus Massivholz, der ausreichend dünn zum Biegen, aber fest genug ist, um der Wand die nötige Stabilität zu verleihen. Die Wand eines Flügels passt sich der Form von Gussplatte und Rasten an und wird bei AUGUST FÖRSTER in einer eigenen Abteilung gefertigt. Das Holz des Kerns wird in bestimmten Abständen eingeschnitten, um das Biegen zu ermöglichen. So schlagen wir der Natur ein Schnippchen. Auf beide Seiten kommen zudem mehrere Lagen Furnier, um die nötige Stärke zu erreichen. Vor allem die Länge beeindruckt: Sind es beim kleinsten unserer Flügel schon 4,80 Meter, wächst die Wand beim großen 275er Konzertflügel auf 6,60 Meter an. Das bedeutet, dass die Furniere nicht nur übereinander, sondern auch aneinander geklebt werden müssen, um auf diese Maße zu kommen. Das geschieht mit der alten Handwerkstechnik des Schäftens.

Außen wird die Flügelwand in den meisten Fällen schwarz lackiert und auf Hochglanz poliert. Die meisten Kunden bestellen schwarze Flügel. Manche Kunden interessieren sich für weiße Instrumente, zudem stellen wir natürlich auch Flügel in den Oberflächen Mahagoni, Nussbaum und anderen Hölzern her. Bei den Konzertflügeln ist die Innenwand mit Furnier aus Vogelaugenahorn gestaltet. Das verleiht den Instrumenten ein besonders edles Aussehen und unterstützt das Leuchten der goldfarben lackierten Gussplatte.

Die Technik des Wändebiegens ähnelt dem Herstellen der Rastenzarge . Die einzelnen Schichten werden verleimt, aufeinander gebracht und rund um eine Form in Position gebracht. Dann heißt es wieder: Geduld aufbringen. 48 Stunden muss die Wand unter Druck trocknen. Danach vergehen vier Wochen, bevor sie weiterverarbeitet wird. Der Leim braucht diese Zeit, um vollständig zu trocknen. Wir wollen damit sicherstellen, dass die Wand formstabil bleibt. Die Mitarbeiter von AUGUST FÖRSTER wissen um diese natürlichen Prozesse. Sie geben den Elementen die nötige Zeit, um ein hochwertiges Instrument herzustellen zu können.
 

Folge 9: Die Lackiererei

 
 
 
 

Das kleine Schwarze

Ungestraft dick auftragen – das ist in der Lackiererei von AUGUST FÖRSTER möglich. Und doch nützt es nicht allzu viel: Ein Gutteil des Lacks muss später wieder herunter, damit eine perfekte Oberfläche entsteht. Aber der Reihe nach. Der sogenannte Klavierlack ist inzwischen längst nicht mehr nur auf Pianos anzutreffen. Er wird für Tablets, Notebooks oder zum Veredeln von Autoinnenräumen verwendet. Sein Geheimnis liegt unter anderem in der Zahl der Schichten. In der Herstellung einer Piano-Oberfläche werden fünf bis neun Farbschichten auf das Holz aufgetragen, bis der Lack eine Stärke von rund einem Millimeter erreicht. Dann muss die Farbe ausgiebig trocknen. Derweil kommt auch Klarlack zum Einsatz: Auf den Resonanzböden, an den Innenwänden der Flügel und auf satinierten Oberflächen.

Nach dem Trocknen heißt es schleifen, schleifen, schleifen. Rund 0,4 Millimeter des frischen Lacks werden wieder abgetragen. Über etliche Schleifvorgänge kommt immer feineres Sandpapier zum Einsatz. Landläufig spricht man am Schluss vom Polieren einer Oberfläche. Aber auch dies ist ein Schleifen, eben mit absolut minimaler Körnung. Erst diese vielen Arbeitsgänge ergeben das tiefe, spiegelnde Schwarz, für das der Klavierlack bekannt ist. Ohne diese aufwändige Behandlung würde die Farbe einen Grauschleier behalten, der jede Eleganz zunichtemachte. Allein an einem Flügeldeckel schleifen unsere Kollegen je nach Größe bis zu zwei Tagen, bis der erwünschte Glanz erreicht ist. Das Aufbringen aller Lackschichten auf einen Deckel braucht mit Trocknungszeiten rund vier Stunden.

Und schwarz ist nun einmal die am häufigsten anzutreffende Farbe bei Klavieren und Flügeln. Andere Oberflächen bestellen Kunden vorrangig bei Klavieren, und auch von diesen Instrumenten werden rund zwei Drittel in klassischem Schwarz gefertigt. Ist die Entscheidung gegen den Standard aber einmal gefallen, kann es richtig bunt werden: AUGUST FÖRSTER hat Instrumente auf Kundenwunsch schon in rubinrot, stahlblau oder bordeauxviolett gefertigt, regelmäßig in weiß und natürlich in diversen Furnierarten: Kirsche, Nussbaum, Buche, Eiche, Mahagoni… Dazu kommen die verschiedenen Ausführungen: poliert, seidenmatt, gewachst oder geölt. Dieser Aufzählung sind fast keine Grenzen gesetzt. Wer seine eigenen Vorstellungen von seinem Wunschinstrument mitbringt, bekommt sie auch erfüllt.
 

Folge 10: Die Zusammensetzerei

 
 
 
 

Spieltrieb

Neben dem Resonanzboden sind Mechanik und Klaviatur die entscheidendsten Komponenten auf dem Weg zu einem sehr guten Piano. Diese werden in der Zusammensetzerei in das inzwischen weit gediehene Instrument eingebaut. Dort kommen die bereits mit Saiten bezogene Flügel und Pianos an. Die Flügel erhalten als erstes ihre Lyra. So nennt sich der Pedalteil mit seinen Stößern und Hebeln. Ist das erledigt, folgt der aufwendigere Teil. Klaviatur und Mechanik werden in unzähligen Arbeitsschritten aufeinander abgestimmt. Beide komplexen Einrichtungen bezieht AUGUST FÖRSTER von deutschen Spezialfirmen: Die Klaviatur stellt die Firma Laukhuff her, die Mechanik kaufen wir von Renner. Beide Unternehmen beliefern die großen Instrumentenhersteller. Ihre Produkte sind Premiumerzeugnisse auf diesem Markt; wir bauen sie in alle unsere Instrumente ein, auch in die Einsteigermodelle. Bei ihnen achten wir genauso auf Qualität wie bei den teureren Modellen

Unsere Klaviaturen und Mechaniken werden für AUGUST FÖRSTER speziell nach unseren Vorgaben gefertigt. Damit sie perfekt funktionieren, sind trotzdem noch viele Handgriffe nötig, um sicherzustellen, dass ein Pianist beim Drücken einer Taste den Ton exakt so erzeugen kann, wie er das will. Da müssen Hebelverhältnisse aufeinander abgestimmt, die Position der Hammerköpfe justiert, die Dämpfung aufgesetzt werden und vieles mehr. Das geht nur mit jeder Menge Fingerspitzengefühl, ganz besonders viel Erfahrung und einem hohen Maß an akkurater, konzentrierter Arbeit. In dieser Abteilung ist echte Handarbeit gefragt, und so stehen dort kaum Maschinen. Hier herrscht Ruhe, um das exakte Justieren nicht zu stören.

Die Kollegen arbeiten an einem Klavier rund zwei Tage, für einen Flügel sind reichlich fünf Tage nötig. Ist das alles geschafft, ist die Grundlage gelegt, damit das Instrument später gut spielbar ist. Jetzt ist es zudem erstmals soweit, dass das Piano ganz regulär gespielt werden kann. Es wird mehrfach gestimmt, damit es später umso länger die Stimmung halten kann. Entsteht ein Instrument nach Kundenwunsch und gibt es individuelle Vorstellungen zur Spielbarkeit, werden diese ebenfalls in dieser Abteilung umgesetzt. Die Tätigkeiten in der Zusammensetzerei sind eine typische Klavierbauerarbeit und bei AUGUST FÖRSTER auch eine wichtige Station für unsere Auszubildenden.
 

Folge 11: Das Zusammenbauen

 
 
 
 

Der erste Eindruck zählt

Sind alle Teile vorgefertigt und poliert, folgt der Zusammenbau der Instrumente. Alle Einzelteile werden nun an Ort und Stelle angebracht, das Klavier oder der Flügel erhält sein unverwechselbares Gesicht. Die Tätigkeiten in dieser Abteilung betreffen alle Bereiche des Instruments: Scharnierbänder sind ebenso anzubringen wie Notenpult, Zierelemente, Deckel oder Klappen. Das Ziel ist klar: Das Gehäuse vollständig zu montieren, damit das Instrument in seinen Teilen komplettiert wird. Ein Klavier bringt es schließlich auf ein Gewicht von 215 bis 280 Kilogramm, ein Flügel auf 350 bis 550 Kilo.

Für den Zusammenbau ist Sorgfalt nötig: Gerade die schwarz lackierten und frisch polierten Flächen sind mit äußerster Vorsicht zu behandeln. Sie sollen unberührt aussehen, bis das Instrument unsere Manufaktur verlässt. Genauigkeit gilt auch bei anderen Dingen: So werden saubere Spaltmaße eingestellt, bei Flügeln die Tastenklappenbremse eingebaut, die Schraubenschlitze ausgerichtet und anderes mehr. Bei AUGUST FÖRSTER legen wir Wert auf solche Details. Die verwendeten Schrauben beziehen wir von regionalen Herstellern. Bei uns werden sie geschliffen, poliert und lackiert, bevor sie verwendet werden. So lösen unsere Instrumente auch optisch den hohen Anspruch ein, den wir an sie stellen. Das Zusammenbauen braucht bei einem Piano rund einen Tag, beim Flügel sind aufgrund der größeren Zahl der Teile rund zweieinhalb Tage nötig. Messingteile wie Deckelbänder oder Lyrastößer werden eigens für unsere Manufaktur hergestellt.
 

Folge 12: Das Ausarbeiten

 
 
 
 

Die große Durchsicht

Geht es an die letzten Feinheiten beim Bau eines Instruments, wird ein Ziel immer wichtiger: „Der Pianist soll so lange und so genau wie möglich den Ton beeinflussen können“, formuliert Klavierbaumeister Olaf Mehlich den Anspruch an jedes Klavier, das die Löbauer Manufaktur verlässt. Die Mitarbeiter in Mehlichs Meisterbereich sind dafür zuständig, nach dem Zusammenbauen der Instrumente die Bewegungsabläufe des Spielwerks zu optimieren. Für jeden der 88 Töne auf einem Klavier gibt es rund elf Kriterien, die überprüft und für die bestimmte Einstellungen vorgenommen werden. Beim Flügel sind es noch einige mehr. Zum Beispiel muss der Hammer, der die Saite anschlägt, diese genau im richtigen Moment wieder freigeben, damit sich der Ton entfalten kann. Dazu kommen die Pedale und andere Teile, die vor dem Ausliefern an den Kunden in Augenschein zu nehmen sind.

Denn beim Spielen sollen die Pianisten von der komplizierten Konstruktion des Instruments möglichst nichts spüren. Das ist allerdings gar nicht so einfach. Denn zum Beispiel sind die Hämmer im Bassbereich deutlich größer als in den oberen Lagen – und damit auch schwerer. Dennoch dürfen die Tasten für tiefe Töne nicht schwerer zu drücken sein als andere. Zudem müssen alle Tasten exakt ausgerichtet sein. Keine darf höher stehen als die anderen, alle sollen sich gleich weit herunterdrücken lassen, alle Abstände müssen stimmen. Wenn ein Pianist individuelle Wünsche hat, wie er sich die Spielart seines Instruments wünscht, können Mehlich und seine Kollegen jetzt darauf eingehen. So lässt sich beispielsweise die Stärke des Druckpunkts einer Taste variieren, das Spielgewicht der Tasten oder auch, wie hoch die schwarzen Tasten über den weißen liegen sollen.

Ist das erledigt, wird das Instrument für die Auslieferung vorbereitet. Die Güte der Oberflächen wird kontrolliert, die Gehäuseteile werden genauestens überprüft – das Piano soll schließlich nur die Geräusche von sich geben, die der Klavierspieler ihm entlockt. An manchen Stellen werden Gummipuffer aufgebracht, damit beispielsweise beim Klavierdeckel nicht Holz auf Holz beziehungsweise Lack auf Lack liegt. Ein Klavier wird schließlich auf den Rücken gelegt, damit es von unten überprüft werden kann. Zu einer großen Durchsicht gehört eben nicht nur beim Auto der Blick auf den Unterboden.
 

Folge 13: Das Intonieren

 

Stich für Stich zum perfekten Klang

Wenn es emotional wird, zeigt sich die ganze Bandbreite der Möglichkeiten, die ein Klavier oder Flügel zu bieten hat. Leiseste, zarte Töne kann das Instrument hervorbringen – und im nächsten Moment kraftvoll dominieren. Solch unterschiedliche Klänge erzeugen zu können, benötigt einiges an Vorarbeit. Die leisten vor allem die Intoneure der Löbauer Pianomanufaktur AUGUST FÖRSTER, auch wenn die Grundlagen für den perfekten Klang schon in der Zusammensetzerei gelegt werden. Denn der Klang eines Instruments besteht nicht nur aus dem Ton der Saiten. Zu ihm gehören auch das Anschlagsgeräusch oder die Hammerstiele. Deswegen werden diese Stiele vor dem Einbau genau sortiert. Es liegt in der Natur der Sache, dass jedes dieser hölzernen Stäbe unterschiedliche Klangeigenschaften mit sich bringt. Sie werden den Tönen zugeordnet, zu denen ihr Eigenklang am besten passt. Damit beginnt das Modellieren der Töne, an dessen Ende der kräftige warme, aber gleichzeitig brillante FÖRSTER-Klang steht.

Doch innerhalb dieses unverwechselbaren Klangs kommt es eben darauf an, für den jeweiligen Pianisten oder den Aufstellort des Instruments die richtigen Nuancen zu setzen. Ein Piano auf einer Bühne, das gemeinsam mit einem Orchester gespielt wird, muss anders klingen als eines im heimischen Wohnzimmer. Gleichzeitig dürfen laute Töne nicht schrill werden. Um diese Effekte zu erreichen, bearbeiten Intoneure die Hammerköpfe. Dazu sticht ein Fachmann mit kleinen Nadeln bestimmte Zonen des Filzes ein. Das verändert kleine, aber relevante Teilbereiche eines Tons. „Manchmal säuselt ein einzelner Ton“, erklärt der langjährige Klavierbaumeister und Intoneur Olaf Mehlich, „dann reicht ein Piks an der richtigen Stelle, und das Säuseln ist weg.“ Wohin man dafür stechen muss? Das lehrt nur die Erfahrung. Einfache Anleitungen wie bei der Akupunktur gibt es nicht. Ein Instrument so intonieren, dass die einzelnen Töne ein rundes Klangbild abgeben, können nur echte Profis. Sie hören genau und reagieren auf das, was sie wahrnehmen. Sie schaffen es, dass sich Töne richtig aufbauen, bevor sie verklingen – oder dass eine dicke, kupferumsponnene Basssaite zusammen mit einer viel feineren und kürzeren Diskantsaite harmonisch klingt. Ein Piano kann jede Menge Emotionen transportieren. Bei AUGUST FÖRSTER sorgen wir dafür, dass es zu jedem Zeitpunkt die richtigen sind.
 

Folge 14: Das Stimmen

 

In Stimmung kommen

Musik und Physik gehören untrennbar zusammen, das zeigt nicht nur der Bau eines Instruments, das wird vor allem beim Stimmen deutlich. Beim Aufziehen der Saiten geht es darum, die richtigen Spannungsverhältnisse aufzubauen. Der Resonanzboden muss seine Wölbung halten, die Saiten beginnen sich zu dehnen. Das auszubalancieren gehört zu den Voraussetzungen eines harmonischen Klavierklangs. Die Arbeit des Stimmens übernehmen bei AUGUST FÖRSTER Profis mit langjähriger Erfahrung. Sie verwenden kein Stimmgerät, sondern ihr Gehör, um einen Gesamtklang zu gestalten, sagt Klavierbaumeister Benjamin Schwarz. Schließlich bringt jede Konstruktion ihre eigenen baulichen Voraussetzungen mit, die den Klang beeinflussen. Beim Stimmen erhalten Pianos die sogenannte wohltemperierte Stimmung. Die hat Johann Sebastian Bach einst durchgesetzt. Dabei werden die Intervalle wie Quinten und Quarten nicht rein gestimmt, um über die Bandbreite der mehr als sieben Oktaven auf einem Klavier ein harmonisches Klangbild zu erhalten. Vor Bachs Zeit wurden Pianos noch rein gestimmt. Dadurch ließen sich aber nur wenige Tonarten darauf spielen. Die wohltemperierte Stimmung bildet einen Kompromiss, der für heutige Ohren einen angenehmen Klang bedeutet und das Instrument alltagstauglich macht.

Sobald in der Instrumentenfertigung die Saiten aufgezogen werden, wird ein Piano zum ersten Mal gestimmt. Bis es unsere Manufaktur verlässt, ist es weitere fünfmal gestimmt worden. Dieser Prozess verläuft über einen Zeitraum von rund einem halben Jahr und beinhaltet Ruhepausen, in denen das Instrument sich durchaus wieder verstimmen soll. So lässt sich das nötige Spannungs-Gleichgewicht aufbauen, das beim Kunden für die gute Stimmhaltung sorgt und für die AUGUST FÖRSTER-Instrumente neben ihrem vollen Klang bekannt sind.

Als Werkzeuge hat ein Klavierstimmer eine Stimmgabel, seinen Stimmhammer – und sein Gehör. Begonnen wird stets mit dem Kammerton a‘, der in Deutschland üblicherweise auf 443 Hertz gestimmt wird. Ein Festlegen auf eine solche Tonhöhe ist nötig, um sich im Spiel mit anderen Instrumenten schnell auf einen harmonischen Zusammenklang zu einigen. Vom Kammerton aus werden die Abstände der einzelnen Töne justiert. Die Stimmer von AUGUST FÖRSTER nutzen dafür bestimmte Intervalle und nehmen beispielsweise Terzen zur Kontrolle. Das kann nur, wer ein sehr gut ausgebildetes Gehör besitzt und seine Fähigkeiten über viele Jahre an ganz unterschiedlichen Instrumenten verfeinert hat. Dazu kommt die Handwerkskunst, die Saitenspannung mit dem Stimmhammer so einzustellen, dass der Ton exakt so erklingt, wie er soll – und das über einen langen Zeitraum.
 

Folge 15: Das Ausliefern

 
 
 
 

Weiche Schale, harter Kern

Klaviere und Flügel sind echte Schwergewichte – aber empfindlich sind sie trotzdem. Damit die Instrumente auch nicht den kleinsten Schaden haben, wenn sie die Löbauer AUGUST FÖRSTER-Manufaktur verlassen, legen wir viel Sorgfalt in das Verpacken und die Vorbereitung des Auslieferns. Nachdem ein fertiges Piano auf das Gründlichste begutachtet ist, wird es an den relevanten Stellen gut geschützt. So wird das Notenpult in feinstes Papier eingeschlagen, damit es beim Transport und mit heruntergeklapptem Deckel nicht auf den schwarzen Tasten scheuert. Die auf Hochglanz polierten Pedale erhalten Söckchen aus Kunststoff, um sie zu schützen. Die Tastenklappen werden fixiert, bei Klavieren die seitlichen Konsolen eingepackt, bei Flügeln die Deckelstütze sicher arretiert. Die Messing-Rollen der Klaviere werden für den Transport nicht benutzt. Stattdessen werden zusätzliche Transportleisten angebracht. Flügel werden hochkant aufgestellt und auf einem eigens angefertigten Transportschlitten befestigt. Füße und Lyra – das Pedalwerk – werden abgeschraubt und in einer separaten Kiste sicher verstaut. Für diesen Zweck sind die Füße eines Flügels leicht demontierbar am Instrument befestigt.

Als letztes erhalten die Instrumente in unserer Manufaktur eine Schutzhülle. Danach übernimmt die Spedition. Der Großteil unserer Pianos wird von einem spezialisierten Unternehmen abgeholt, deren Mitarbeiter um die besonderen Anforderungen des Instrumententransports wissen. Sie packen die Flügel und Klaviere ein weiteres Mal in dick gepolsterte Transportdecken ein, um Beschädigungen zu vermeiden. Von einem zentralen Umschlagplatz gehen die Instrumente an ihre jeweiligen Bestimmungsorte in aller Herren Länder. Daneben kommt es hin und wieder vor, dass Händler ihre Instrumente selbst abholen. Das ist unter anderem dann der Fall, wenn sie in unsere Manufaktur kommen, um das richtige Instrument für ihre Kunden auszusuchen. Die Händler begrüßen wir neben den eigentlichen Käufern immer wieder in unseren Produktionsräumen. Denn so, wie jeder Mensch unterschiedliche Vorstellungen von seinem Wunschinstrument hat, sind unsere Pianos jedes für sich echte Einzelstücke. Gemeinsam mit dem Händler sorgen wir bei AUGUST FÖRSTER dafür, dass jeder genau das Instrument bekommt, das am besten zu ihm passt.
 

Folge 16: Was ein Piano von AUGUST FÖRSTER auszeichnet

 

August Förster – Pianos, die begeistern

„Wo Sprache aufhört, fängt die Musik an“, sagte der Dichter E.T.A. Hoffmann. „Musik verbindet die Menschen. Mit ihr erlebt man das wahre Glück“, formulierte es Philosoph Immanuel Kant. In der Löbauer Pianomanufaktur AUGUST FÖRSTER arbeiten die Klavierbauer jeden Tag mit Leidenschaft an ihrem gemeinsamen Ziel: Pianos herzustellen, die nicht einfach in einem bestimmten Moment ihren Käufer überzeugen. Sondern die jeden Tag neu die Lust am Spielen wecken, die Profis beeindrucken und Anfänger begeistern, die Zuhörer träumen und Liebhaber des Kunsthandwerks schwelgen lassen.
Ein Grund, sich für ein Piano aus der Manufaktur von AUGUST FÖRSTER zu entscheiden, ist der herausragende Klang. Pianisten aus allen Teilen der Welt sind immer wieder beeindruckt, wenn sie an einem Piano aus der Löbauer Manufaktur sitzen. Sie wollen ihre Ideen mit einem Flügel oder Klavier präzise auszudrücken: zarteste Melancholie genauso wie wuchtige Dramatik. Beides beherrschen AUGUST FÖRSTER-Instrumente perfekt, weil ihr umfangreiches Klangvolumen bereits zum Tragen kommt, wenn es um die ganz leisen Töne geht. Da kann Gezupftes durch den Raum schweben und trotz aller Zurückhaltung über eine solide Basis verfügen, die den Klang trägt. Dazu kommt ein runder Ton, der auch im Diskant nicht an Fülle verliert. Ein voller, warmer und gleichzeitig transparenter Klang bis in die tiefen Oktaven rundet das Spielerlebnis schließlich ab.

Dieser Klang rührt von den traditionellen Handwerkstechniken her, mit denen bei AUGUST FÖRSTER auch 160 Jahre nach Firmengründung gearbeitet wird. In Löbau entstehen Klaviere und Flügel aus dem Können dutzender erfahrener Hände, angeleitet von versierten Handwerksmeistern. Sie verwenden kunsthandwerkliche Konstruktionen, die über Jahrzehnte hinweg weiterentwickelt wurden. Sie werden immer wieder neu durchdacht, verbessert oder bei den Gehäuseformen dem Zeitgeschmack angepasst. Jedes Instrument ist ein Unikat, und jedes Piano lässt sich so fertigen, wie es sich der Kunde wünscht.

Die Premiumqualität steht in der Fertigung an erster Stelle. Das zeigen die verwendeten Materialien genauso wie die eingebauten technischen Besonderheiten. Nur beste Hölzer kommen zum Einsatz, die Mechaniken sämtlicher Modelle stammen vom First-Class-Lieferanten Renner und die Konzertflügel warten mit weiteren Besonderheiten auf. So erhalten sie beispielsweise eine Duplexskala, die die Tonqualität weiter erhöht. Diese Konstruktion bringt Teile einer Saite zum Klingen, die üblicherweise nicht zur Tonentfaltung beitragen und reichert hohe Töne zusätzlich mit Obertönen an. Das ist unter anderem im Zusammenspiel mit Orchestern ein entscheidendes Plus.

Die soliden Konstruktionen, die bei AUGUST FÖRSTER bis heute selbstverständlich sind, haben einen weiteren, wesentlichen Effekt: Sie tragen maßgeblich dazu bei, dass Instrumente aus Löbau außergewöhnlich gut ihre Stimmung halten. Dafür sorgt die Manufaktur schon vor dem Beginn der Fertigung, indem nur ausgiebig gelagertes Holz zum Einsatz kommt. Auch während der Herstellung wird immer wieder darauf geachtet, dass sich ein Spannungs-Gleichgewicht einstellt, das für die spätere Stimmhaltung unerlässlich ist. So erreichen die Pianos eine Qualität, die das Zertifikat „made in Germany“ in vollem Umfang rechtfertigt.

Pianisten auf der Suche nach ihrem Instrument finden bei AUGUST FÖRSTER das, was perfekt zu ihnen passt. Die Auswahl reicht vom hochwertigen Einsteigerinstrument bis zum vollendeten Konzertflügel. Die Manufaktur bietet solide Instrumente für Institutionen genauso wie ein erhabenes Konzertklavier für Orte, an denen der Platz für einen Flügel nicht ausreicht. Dazu gehören selbstverständlich passende Klavierbänke sowie auf Wunsch Systeme zur Stummschaltung oder individuelle Furnierwünsche.

AUGUST FÖRSTER ist ein Familienunternehmen, das seit Jahrzehnten sowohl die Qualität der Instrumente als auch die Menschen an den Werkbänken in den Blick nimmt. Das zeigt sich in der fast 160jährigen Firmengeschichte und in der Führung durch Annekatrin Förster, die die Manufaktur in fünfter Generation leitet. Das zeigt sich in der Liebe zu jedem einzelnen Instrument, das im angestammten Firmensitz entsteht. Und das zeigt sich in der Achtung der einzelnen Mitarbeiter. Auch das ist Ansporn, jeden Tag sein Bestes zu geben, damit ein Pianist schnell und voller Überzeugung sagt: „Das ist mein Klavier!“. Dann bleibt die Lebensentscheidung für ein Piano aus Löbau auch nach vielen Jahren noch rundum richtig.
 

Folge 17: Ohne Nachwuchs geht es nicht

 

Frischer Wind in der Manufaktur

Die 27-Jährige hat es fast geschafft, die Abschlussprüfungen kommen in Sichtweite. Danach hat Annemarie Kampf ihr Zeugnis als Klavierbauerin in der Tasche – und die Möglichkeit, weiterhin in der Pianomanufaktur AUGUST FÖRSTER zu arbeiten. Ausbilden hat hier Tradition. Für das Unternehmen ist es eine Selbstverständlichkeit, sich um den eigenen Nachwuchs zu kümmern. Ein bis zwei Azubis sind stets in unterschiedlichen Abteilungen anzutreffen, lernen entweder den Beruf des Klavierbauers oder des Tischlers. In diesem Sommer klettert ihre Zahl sogar vorübergehend auf fünf. Dann kommen drei Jugendliche neu hinzu, während die Lehrzeit der beiden anderen noch läuft. Zwei Ausbildungsmeister sind kompetente Ansprechpartner und Lehrmeister für die Azubis.

Das Klavierbauerhandwerk lernen die jungen Leute in Löbau von Grund auf. Während der dreieinhalbjährigen Ausbildung durchlaufen sie alle Abteilungen und lernen jeden Schritt kennen, der für die Entstehung eines hochwertigen Instruments nötig ist. Dazu kommt die theoretische Ausbildung in der Klavierbauerschule. Die steht in Ludwigsburg bei Stuttgart und ist die einzige ihrer Art in Deutschland. Hier treffen sich alle angehenden Klavierbauer des Landes zwei Mal im Jahr für je sechs Wochen zum Unterricht in Werkstoffkunde, Akustik, Technischem Zeichnen, Instrumentenbaugeschichte und vielem mehr.

Neben den Klavierbauern werden in der Pianomanufaktur auch Tischler ausgebildet. Ihre Arbeit ist beim Bau der Instrumentengehäuse gefragt. Sie lernen ebenfalls in den jeweiligen Abteilungen und erhalten in einer regionalen Berufsschule das nötige theoretische Wissen. Egal, ob Klavierbauer oder Tischler: Azubis von AUGUST FÖRSTER haben gute Aussichten, übernommen zu werden. Die Manufaktur braucht gute Leute, die dazu beitragen, die fast 160-jährige Tradition der Qualitätsinstrumente aus Löbau fortzuführen und auch in Zukunft erstklassige Pianos zu bauen.

"Ein Instrument entsteht..." wird fortgesetzt
 
© 2017 AUGUST FÖRSTER